Ein Brunnen kann mehr sein als nur ein Ort plätschernden Wassers – er kann Erinnerung tragen, Zerstörung überstehen und Geschichte erzählen.
Im Herzen Düsseldorfs entstand 1938, anlässlich des 650-jährigen Stadtjubiläums, ein solches Denkmal: der Brunnen des Bildhauers Willi Hoselmann, gestiftet vom Heimatverein Düsseldorfer Jonges. Im Zentrum steht ein Fischerjunge, umgeben von wasserspeienden Fischen – ein scheinbar idyllisches Motiv, das die enge Verbindung der Stadt zum Rhein widerspiegelt.
Doch hinter dieser friedlichen Szene verbirgt sich ein Bruch. Nur wenige Jahre nach seiner Enthüllung am 16. August 1938 wurde die Figur zerstört – nicht einmal, sondern gleich zweimal, 1948 und erneut 1954. Der Brunnen, der als Zeichen der Feier gedacht war, wurde selbst zum Zeugen von Verlust und Wiederaufbau.
Hier liegt der Konflikt dieser Geschichte: Beständigkeit gegen Vergänglichkeit. Kunst, die für die Ewigkeit geschaffen scheint, wird plötzlich zerbrechlich. Und doch endet die Geschichte nicht mit der Zerstörung.
Die Rekonstruktion der Figur bringt eine Wendung. Der Fischerjunge kehrt zurück, die Fische speien wieder Wasser – als hätte die Stadt selbst beschlossen, ihre Erinnerung nicht preiszugeben. Der Brunnen wird so zu einem Symbol für Widerstandskraft, für das Festhalten an Identität trotz der Brüche der Zeit.
Im Sockel ist diese Botschaft wortwörtlich verankert. Die eingravierte Widmung erinnert an den Anlass seiner Entstehung:
„ZUR ERINNERUNG AN DIE 650 JAHRFEIER DER STADT DÜSSELDORF / ERRICHTET VOM HEIMATVEREIN DÜSSELDORFER JONGES E.V. / 16. AUGUST 1938“
Was als Jubiläum begann, wurde zu einer fortlaufenden Erzählung. Heute steht der Brunnen nicht nur für ein historisches Datum, sondern für die Fähigkeit einer Stadt, ihre Geschichte immer wieder neu zusammenzusetzen – wie ein lebendiges Denkmal, das Vergangenheit, Zerstörung und Erneuerung in sich vereint.

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